Lehrstellensuche an einer Gewerbeausstellung

1. Oktober 2019
02/2019

In der heutigen Zeit der Digitalisierung wird Persönliches nach wie vor sehr geschätzt, auch bei der Lehrstellensuche. Während manche Jugendliche auf Computer, Internet und Bewerbungsplattformen setzen, ziehen andere fürs Kennenlernen der lokalen Lehrstellenanbieter den direkten Menschenkontakt vor. Ideal für ein unverbindliches Beschnuppern, in mehr oder weniger privatem Rahmen, sind lokale Gewerbeausstellungen, wie beispielsweise die «Undob» im Siggenthal.

Lehrstellensuche an einer Gewerbeausstellung? Und ob!

An lokalen Gewerbeausstellungen zeigen die Mitglieder von Gewerbevereinen ihr Angebot. Gewerbeausstellungen sind fürs regionale Klein- und Mittelgewerbe mit Firmen aus diversen unterschiedlichen Branchen eine optimale Plattform, sich bekanntzumachen und vorzustellen. Doch nicht nur die lokalen Firmen können sich durch ihren Auftritt an Gewerbeausstellungen vorstellen, auch die Schülerinnen und Schüler der Umgebung können von dieser spannenden Gelegenheit gebrauch machen. Denn nicht alle Jugendlichen informieren sich gerne via Internet über freie Lehrstellen. Manche treffen die zukünftigen Lehrbetriebe lieber persönlich, lernen die Mitarbeitenden der Firma bei einem ungezwungenen Schwätzchen kennen und lassen dann ihr Bauchgefühl entscheiden.
So ermöglicht auch im Aargauer Siggenthal, wo sich der Untersiggenthaler Gewerbe- und Industrieverein und der Obersiggenthaler Gewerbeverein zusammenspannen und sich an der Gewerbeausstellung «Undob» neunzig lokale Betriebe präsentieren. Dabei steht das Zusammenkommen im Vordergrund. Eine Ausstellung als Begegnungsstätte, «Undob» als gewolltes Wortspiel, das sowohl für Unter- und Obersiggenthal steht, gleichzeitig aber auch die positive Antwort darauf ist, ob sich der Besuch des Anlasses für das junge Publikum lohnt: Und ob! Denn an der Ausstellung findet u.a. speziell für die Schülerinnen und Schüler aus der Region, die sich mitten in der Berufswahl befinden, ein Zukunftsnachmittag statt.
An vielen Ständen können sich die Jugendlichen mit den Berufen vertraut machen und manchmal auch selber Hand anlegen. Wie auch Tamara, die Bäckerin-Konditorin-Confiseurin EFZ werden möchte. Sie hat den Beruf bisher noch nicht beschnuppern können, kocht und backt jedoch sehr gerne in ihrer Freizeit und kann sich deshalb gut vorstellen, ihr Hobby zum Beruf zu machen. Beim Ausstellungsstand der Bäckerei Frei, die an diversen Standorten im Raum Baden Filialen hat und regelmässig Lernende ausbildet, darf Tamara ein Spitzbuben-Guetzli mit Schokolade verzieren und bekommt so schon mal einen kleinen Vorgeschmack auf ihre spätere Tätigkeit.
Auch die Gärtnerei Weber aus Kirchdorf hat einen attraktiven Stand gestaltet, um die Kundschaft anzusprechen. Es sei nicht immer leicht, interessierte Jugendliche zu finden. Die Berufe Gärtner/in EFZ und Florist/in EFZ, die bei der Gärtnerei ausgebildet werden, seien mit unregelmässigen Arbeitszeiten verbunden und es könne sein, dass man dabei schmutzig werde. Das schrecke viele Schülerinnen und Schüler ab. Umso wertvoller sei die Teilnahme an der Gewerbeausstellung, weil hier Vorurteile relativiert, und die Jugendlichen von den Vorteilen der Berufe überzeugt werden könnten.
Am Stand von libs, dem führenden Ausbildungsunternehmen der schweizerischen Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie können die Jugendlichen mithilfe von Automatik-Lernenden einen Industrieroboter programmieren, der millimetergenau Bauklötze aufeinander stapeln kann. Eine Automatiker/-innen-Lehre dauere 4 Jahre. Während den ersten beiden Lehrjahren werden die Berufslernenden bei libs mit den Basics vertraut gemacht, die letzten beiden Lehrjahre geht es zu einer von über 100 Mitgliedsfirmen, wie ABB, Bombardier, GE oder Leica Geosystems, welche den Lernenden ein breit gefächertes Arbeitsumfeld und vielfältige Erfahrungen ermöglichen.
Bei so vielen spannenden Angeboten verfliegt die Zeit im Nu und es wird Abend im Siggenthal. Den Kopf voller neuer Eindrücke und Berufsideen und die Taschen voller Give-aways und Broschüren, verlassen die Schülerinnen und Schüler die Gewerbeausstellung. Sie sind sich einig: eine Berufslehre? Und ob!