Passt Homeoffice zu mir?

19. August 2020
02/2020

Mit dem Corona-Lockdown hat sich die Haltung vieler Arbeitgeber gegenüber dem Homeoffice geändert, die Einstellung gelockert. Man hat begriffen, dass Homeoffice als Arbeitsform durchaus funktionieren kann und verabschiedet sich Schritt für Schritt von der bisher vorherrschenden Präsenzkultur. Doch Homeoffice ist nicht jedermanns Sache. Hier einige Aspekte, auf die du bei der Entscheidung, ob Homeoffice für dich in Frage kommt, achten solltest.

Introversion und Extraversion

Ob sich jemand im Homeoffice wohl fühlt, hängt massgeblich von seinen Persönlichkeitsmerkmalen ab. Es gibt Merkmale, die es erleichtern, aber auch solche, die es erschweren, sich mit dieser vergleichsweise neuen Arbeitsform zu arrangieren. Während introvertierte, zurückhaltende Menschen weniger Mühe mit Homeoffice haben, fällt dieses extravertierten und kontaktbedürftigen Personen schwerer. Denn ausgesprochen kontaktfreudige Menschen tendieren dazu, Energie, Inspiration und Motivation durch persönliche Kontakte mit anderen zu gewinnen. Dies entfällt im Homeoffice teilweise oder sogar gänzlich. Das stört introvertierte Menschen weniger. Sie fühlen sich allein und in ruhiger Umgebung wohl und vermissen die sozialen Kontakte kaum.

Emotionale Stabilität

Menschen mit hoher emotionaler Stabilität, das heisst Menschen, die ausgeglichen sind, die selten gestresst sind oder Angst haben, sind in einer Umgebung mit vielen Freiheiten, wie sie das Homeoffice bietet, sehr produktiv. Menschen mit tiefer emotionaler Stabilität hingegen können mit der Autonomie im Homeoffice oft weniger gut umgehen, weil es sie stresst, eigene Lösungen zu finden.

Abgrenzung

Ein grosser Vorteil des Homeoffices ist, während der Arbeitszeit eine kleine Pause einlegen zu können, um ohne grossen Zeitverlust einen Arzttermin wahrzunehmen oder die Wäsche in den Trockner zu stopfen. Der Nachteil davon ist, dass Arbeitsleben und Privatleben verschwimmen. Geschäftliche Telefonate werden ausnahmsweise auch nach der Arbeit noch entgegengenommen und es besteht ein gewisser Druck, dringende Geschäftsmails auch in der Freizeit zu beantworten. Wer hohen Wert auf Flexibilität legt, schätzt die Freiheiten, ohne sich von den Kosten belastet zu fühlen. Auch wer sich sehr gut abgrenzen kann und die Arbeit nach Arbeitsschluss bewusst liegen lässt, eignet sich besser für Homeoffice als Personen, die nach Stabilität und klaren Regeln suchen und von Natur aus dazu neigen, die Arbeit nicht besonders gut hinter sich lassen zu können.

Selbstdisziplin

Mit den eben erwähnten kleinen Pausen, die sich im Homeoffice anbieten, lauert die Gefahr, sich zu verlieren und die Erwerbsarbeit zu vernachlässigen. Weder Personen, die sich stark ablenken lassen, noch Personen, die aus Angst, zuhause nicht gleich produktiv zu sein wie im Büro, ohne Pause Überstunden anhäufen, sind besonders gut für Homeoffice geeignet. Vielen Menschen fällt es schwer, sich zu konzentrieren und produktiv zu arbeiten, wenn zwischendurch der Postbote klingelt, die Geschwister im Nebenzimmer lautstark Musik hören oder ein Wäscheberg wartet. Zuhause erfolgreich zu arbeiten erfordert viel Selbstdisziplin und die Fähigkeit, Prioritäten zu setzen. Am besten eignen sich Menschen mit klaren Strukturen (die zur immergleichen Zeit aufstehen, mit der Arbeit anfangen, Pause einplanen und schliesslich konsequent den verdienten Feierabend machen).

Offenheit für Neues und Mut

Nur weil man nicht im Büro arbeitet, kann man sich nicht unbedingt automatisch nach Lust und Laune zurückziehen. Viele Arbeitgeber erwarten, dass ihre Mitarbeitenden im Homeoffice über verschiedene Tools wie Teams, Skype oder Zoom in Videokonferenzen verfügbar sind. Es braucht einige Überwindung, sich in diesen Konferenzen zu Wort zu melden, unter anderem, weil dieses Medium für viele von uns noch ungewohnt und neu ist. Personen, die sich leicht überwinden können, in Videokonferenzen dasselbe Mass an Inputs, wie in «normalen» Sitzungen zu geben, eignen sich definitiv besser für Homeoffice als diejenigen, die sich mit dieser neuen Kommunikationsform (noch) schwertun.

Kommunikationsfähigkeiten

Räumliche Distanz erschwert die Kommunikation. Kurze Absprachen oder Nachfragen sind im Homeoffice nicht mehr mit einem Sprung ins Nachbarbüro getan. Für jede Abstimmung muss zum Telefon gegriffen oder eine E-Mail formuliert werden. Dabei kann es zu Missverständnissen kommen: Aufgabenstellungen oder Feedbacks werden vom Kollegen falsch oder nicht verstanden, Fehler entstehen. Um dies zu vermeiden, sind ausgesprochen gute Kommunikationsfähigkeiten notwendig. Nur wer diese mitbringt, eignet sich gut für Homeoffice.

Karrierewunsch

Wer einen ausgeprägten Karrierewunsch hat, arbeitet besser im Büro statt im Homeoffice. Denn obwohl die Corona-Krise die in vielen Unternehmen herrschende Präsenzkultur aufrüttelt, müssen Personen, welche die Karriereleiter hochklettern möchten, oft noch im Büro vor Ort sein, um den Vorgesetzten mit ihrer Leistung und Persönlichkeit aufzufallen und bei den Karriereentscheidungen berücksichtigt zu werden. Homeoffice wird in manchen Köpfen (bewusst oder unbewusst) noch immer mit Bequemlichkeit und Unproduktivität assoziiert.

Der goldene Mittelweg

Wer sich nun nach diesem Artikel klar geworden ist, dass er/sie sich generell für Homeoffice eignet, dem sei empfohlen, es langsam anzugehen. Denn wie so oft scheint ein Mittelweg die beste Lösung zu sein. Wer ab und an im Homeoffice ist, zeigt dennoch Präsenz im Unternehmen, fügt sich ins Team ein und kann so die Vorteile aus beiden Arbeitsmodellen ziehen.