Wie verändert sich die Berufsbildung der Zukunft?

10. Februar 2020
01/2020

Herr Parmelin, der es vom Landwirten zum Bundesrat gebracht hat, und Frau Hirayama, Staatssekretärin für Bildung, Forschung und Innovation, setzen sich ambitionierte Ziele für die Berufsbildung im Jahr 2030.

Im Jahr 2030 wird einiges anders sein als heute. Die Begriffe «Digitalisierung» und «Industrie 4.0» sind in aller Munde. Doch wird sich auch die Berufsbildung ändern? Bundesrat Parmelin und Staatssekretärin Hirayama beantworten diese Frage mit einem klaren «Ja». Reaktives Justieren genüge nicht, es brauche mutige Überlegungen und grosse Schritte. Hierhin soll die Reise gehen:

95% aller 25-Jährigen verfügen über einen Abschluss auf der Sekundarstufe II

Ein Erstabschluss auf der Sekundarstufe II gilt als zentraler Faktor für eine nachhaltige und erfolgreiche Integration in die Schweizer Wirtschaft und Gesellschaft, da er sowohl Zugang zum Arbeitsmarkt als auch zu den Ausbildungen auf der Tertiärstufe gewährt. Momentan erreichen jedoch nur 91 Prozent der Jugendlichen bis zum 25. Altersjahr einen Abschluss der Sekundarstufe II. Je nach Geschlecht, Migrationsstatus und Region bestehen grosse Unterschiede. Vor allem Asylanten und Migrantinnen sind benachteiligt. Sinnvoll für die Zielerreichung erscheint deshalb ein Ausbau der Integrationsagenda (Sprachkurse, Praktikumsplätze, Coachings und Brückenangebote).

Die Bürokratie der Lehrbetriebe ist abgebaut

Obwohl die ausbildenden Unternehmen während der Lehrzeit ihrer Lernenden einen Nettonutzen erzielen, sind viele Ausbildungsbetriebe konsterniert: Der administrative Aufwand ist ihnen zu hoch, die Prozesse zu bürokratisch. Sie müssen Anforderungen der Behörden erfüllen, freie Lehrstellen ausschreiben, Bewerbungsgespräche führen, Lehrverträge abschliessen, Bildungsbewilligungen einholen, seitenlange Rahmenlehrpläne berücksichtigen usw. Nun gilt es, die Komplexität abzubauen. Dies beispielsweise durch die Vereinfachung der Qualifikationsverfahren, den Einsatz von Online-Dienstleistungen bei Berufsbildner- und überbetrieblichen Kursen oder die Verbesserung der Koordination zwischen Ausbildungsbetrieben und Berufsfachschulen.

Die Berufsentwicklung ist beschleunigt

Die Welt verändert sich mit Siebenmeilenstiefeln aber die Berufsbildung hinkt hinter diesen Veränderungen her. Die Neuformulierung einer Berufsverordnung inkl. Rahmenlehrplan dauert im Schnitt drei bis vier Jahre. Wenn die Berufsbildung agiler werden möchte, müssen neue Berufe schneller entwickelt werden. Hier gibt es erste Erfolge. Der Beruf Chemie- und Pharmapraktiker/in EBA ist innerhalb von lediglich 9 Monaten entwickelt worden. Das ist allerdings nur möglich gewesen, weil alle Beteiligten geeinigt aufgetreten sind; eine zwingende Voraussetzung für die Beschleunigung der Berufsentwicklung.

Im Bildungssystem werden die neuen Herausforderungen der digitalisierten Arbeitswelt und Gesellschaft vorausschauend aufgegriffen

Der digitale Wandel eröffnet viele Chancen für die Berufsbildung. Wer sich die Vorteile zu Nutzen machen kann, hat in Zukunft mehr Erfolg. Oft können die Möglichkeiten jedoch aus Mangel an Ressourcen und Erfahrung nicht realisiert werden. Hier setzt die Förderinitiative «Digital in Form Swiss» an. Sie schafft geeignete Voraussetzungen, um den Akteuren der Berufsbildung die Chancen des digitalen Wandels gleichermassen zugänglich zu machen (Fördergelder). Neuartige Vorhaben können einfacher realisiert und bereits erfolgreiche Projekte verstärkt multipliziert werden.

Austausch und Mobilität sind in der Bildung verankert und werden auf allen Bildungsstufen gefördert

Die meisten Leute, die von einem Sprachaufenthalt zurückkehren schwärmen noch lange von der gesammelten Erfahrung: Sprachfortschritte aber auch unvergessliche Erlebnisse. Movetia, die Nationale Agentur für Austausch und Mobilität, fördert und unterstützt Projekte und Aktivitäten im Bereich von Austausch und Mobilität. Das gesetzte Ziel ist, dass alle Jugendlichen im Verlauf ihrer Ausbildung zumindest einmal an einem länger dauernden Austausch- und Mobilitätsprojekt teilnehmen. Austausch und Mobilität sollen fest in der Bildungspolitik verankert werden.

Im ganzen Bildungssystem werden Ein-, Um- und Wiedereinstiege gefördert und durch Information und Beratung unterstützt

Die Regierung hat sich zum Ziel gesetzt, dass es keinen Abschluss ohne Anschluss mehr gibt, denn lebenslanges Lernen ist zur Pflicht geworden. Berufe werden in Zukunft nicht völlig verschwinden, sie werden sich nur stark verändern. Wer eine breite Grundbildung geniesst und sich danach in einem durchlässigen System weiterbilden kann, bleibt anpassungsfähig und interessant für den Arbeitsmarkt. Im Vergleich mit dem Ausland ist dies eine Stärke des Schweizer Berufsbildungssystems. Nichtsdestotrotz muss weiter daran gearbeitet werden.

«Es gibt viel zu tun, packen wir’s an!»

Bundesrat Parmelin und Staatssekretärin Hirayama schauen der Zukunft optimistisch entgegen. Die Ziele sind definiert, die Stolpersteine erkannt, es wird daran gearbeitet. Mit grossem Elan unterstützen auch wir von gateway.one mit unseren umfassenden Lehrmitteln, Diagnostikinstrumenten und Rekrutierungssystemen die Verbundpartner bei der Umsetzung der dualen Berufsbildung in der Schweiz. Wenn alle mithelfen, können wir die gesteckten Ziele erreichen!